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01. September 2026

Aufmerksamkeit, Zufall und die Kunst, sich Zeit zu lassen

Mit einer Ausstellung von Catherina Ziessler, PHSZ-Dozentin und freischaffende Künstlerin, startet die Bibliothek der PH Schwyz in Pfäffikon eine neue Ausstellungsreihe.

Bei der Vernissage am 27. August gab Catherina Ziessler Einblick in ihre künstlerische Arbeit. Dabei ist das fertige Bild für sie nur ein Teil des Prozesses. Sie experimentiert mit verschiedenen Materialien und Techniken, lässt Zufälle zu und gibt ihren Arbeiten Zeit, sich zu entwickeln. Ein Werk muss nicht in einem Zug entstehen. 

«Manchmal verändert der zeitliche Abstand den eigenen Blick, manchmal ist es eine zusätzliche Schicht, die eine Arbeit in eine neue Richtung führt oder komplettiert.»

Catherina Ziessler

In deinen Arbeiten fällt die Farbe Magenta immer wieder auf. Was hat es damit auf sich? 
Der Ausgangspunkt war eigentlich ein persönliches Erlebnis mit einer Magenta-farbenen Luftmatratze und dem Effekt, den die intensive Farbe im Zusammenspiel mit Laubblättern hatte. In meinen Bildprozessen tauchen immer wieder bestimmte Merkmale auf, die ich anschliessend auch kulturgeschichtlich recherchiere. So bin ich bei Magenta auf die Entstehungsgeschichte der Farbe gestossen. Der Farbstoff wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals synthetisch hergestellt. Er erhielt seinen Namen nach der Schlacht von Magenta von 1859, als im Sardinischen Krieg so viel Blut vergossen wurde, dass der Boden diese Farbe annahm. Solche Verbindungen zwischen einer unmittelbaren Wahrnehmung und den Geschichten, die sich dahinter auftun, interessiert mich. 

Welche Rolle spielt die Bildbetrachtung in deiner Lehre?
Bei der Bildproduktion interessiert mich immer auch der Mensch hinter einem Werk, mit seinen Überlegungen und Lebensbezügen. Kunst ist für mich ein Mittel zur Kommunikation. Wenn ich mit einer Gruppe ein Bild betrachte, beginne ich deshalb mit Fragen. Ich nenne zunächst weder Titel noch Hintergrundinformationen, sondern lade dazu ein, genau hinzuschauen und die Wirkung des Bildes wahrzunehmen. Erst danach tauschen wir Beobachtungen aus und ordnen sie ein. Studierende möchte ich ermutigen, diese Offenheit und Entdeckungsfreude später in den eigenen Unterricht mitzunehmen. 

Welche Rolle spielt KI in deiner künstlerischen Arbeit?
KI beziehungsweise maschinelles Lernen ist heute bereits in vielen Werkzeugen integriert, vom Smartphone bis zu Bildbearbeitungsprogrammen. Für diese Ausstellung hatte ich ursprünglich vor, bestimmte KI-Funktionen in Photoshop einzusetzen. Im Arbeitsprozess bin ich dann aber auf so viele spannende analoge Zufälle gestossen, dass diese Funktionen gar kein Thema mehr waren. Für Recherchen, zeitaufwendige Fleissarbeiten oder technische Unterstützung finde ich KI durchaus sinnvoll. Wichtig ist für mich aber: «Lass dir deine Kreativität von KI nicht nehmen.»

Raum für Entdeckungen

Offenheit für Unvorhergesehenes, genaues Hinschauen und die Bereitschaft, einem Prozess Zeit zu geben, verbinden Ziesslers künstlerische und pädagogische Arbeit. Gerade im Unterricht sieht sie darin eine besondere Herausforderung: Zeitdruck und Normierungen können Fantasie und spielerische Entdeckungen schnell verdrängen. Umso wichtiger ist es ihr, Studierende selbst erfahren zu lassen, was entstehen kann, wenn ein Ergebnis nicht bereits zu Beginn feststeht.

Die Ausstellung von Catherina Ziessler ist in der Bibliothek der PH Schwyz am Standort Pfäffikon bis zum 26. November 2026 zu sehen. 

Kontakt

Catherina Ziessler

Catherina Ziessler

Dozentin Bildnerisches Gestalten

T +41 41 859 05 19

M +41 79 68 991 71

catherina.ziessler@phsz.ch
Sonia Huber

Sonia Huber

Standortleiterin Bibliothek Pfäffikon

+41 41 874 46 23

sonia.huber@phsz.ch