Man kommt für eine Recherche und bleibt für den Austausch. Die Bibliothek der PH Schwyz am Standort Pfäffikon zeigt, wie aus einem Ort der Bücherausleihe ein Raum für Lernen, Begegnungen du neue Ideen werden kann.
Was braucht es, damit Menschen gut lernen können? Zugang zu Informationen gehört selbstverständlich dazu. Aber Wissen allein genügt nicht. Ebenso wichtig sind Orte, die Austausch ermöglichen, gemeinsames Arbeiten fördern und Raum dafür bieten, Fragen nachzugehen und Gelerntes in neue Zusammenhänge zu bringen. Claudia Mesterhazy, Leiterin der Bibliothek der PH Schwyz, erklärt: «Wir wollen keinen starren Bücherspeicher, sondern einen Ort, der lebt. Unsere Bibliothek verändert sich mit den Bedürfnissen der Menschen. Sie lädt dazu ein, zu verweilen, zu diskutieren und Neues auszuprobieren.»
Damit verändert sich auch die Rolle von Bibliotheken. Neben Medien und Informationsangeboten rücken die Menschen und ihre unterschiedlichen Formen des Lernens stärker in den Mittelpunkt. Für eine Pädagogische Hochschule ist diese Entwicklung besonders relevant: Wer später selbst Lernprozesse gestaltet, kann hier erfahren, welchen Einfluss die Umgebung auf das Lernen hat.
Vier Räume für eine lebendige Bibliothek
Wie ein solcher Bildungsraum konkret aussehen kann, zeigt das aus Skandinavien stammende Vier-Räume-Modell. Es versteht Bibliotheken nicht als starre Ansammlung einzelner Räume, sondern als Ort, wo Inspiration, Lernen, Begegnung und Mitgestaltung ineinandergreifen und die Bedürfnisse der Nutzenden ins Zentrum stellt. Wie vielfältig diese Funktionen im Alltag sichtbar werden, zeigt sich an unterschiedlichen Angeboten der Bibliothek.
Als Inspirationsraum eröffnet sie neue Perspektiven durch thematische Ausstellungen, Veranstaltungen und sorgfältig kuratierte Medien. Der Fokus liegt auf aktuellen Forschungs- und Bildungsthemen, die Lehrpersonen unmittelbar Anregungen für ihren Unterricht liefern. Zurzeit zeigt die Bibliothek beispielsweise eine Ausstellung mit Lehrmitteln des Schulverlag plus. Diese wird ergänzt durch zwei Lehrmittel-Berater:innen vor Ort, die das Angebot vorstellen.
«Wir möchten Themen aufgreifen, die Lehrpersonen beschäftigen, und ihnen gleichzeitig neue Ideen für den Unterricht mitgeben.»
Ebenso wichtig ist die Bibliothek als Lern- und Arbeitsraum. Studierende bereiten sich hier auf Prüfungen vor, recherchieren Literatur oder entwickeln gemeinsam Projekte. Dabei unterstützen die Informationsspezialistinnen der Bibliothek bei der Literaturrecherche, beim Umgang mit Datenbanken und digitalen Ressourcen sowie bei modernen Lern- und Arbeitstechnologien.
Die Bibliothek ist zugleich Treffpunkt. Abseits von Hörsaal, Klassenzimmer und Büro entstehen Räume für fachlichen Austausch und neue Begegnungen. Lesungen, Weiterbildungen oder Konzerte bringen nicht nur Studierende undLehrpersonen, sondern auch Kulturinteressierte, Familien und externe Fachpersonen zusammen. Dazu gehörten in der Vergangenheit unter anderem der Vorlesetag mit Thomas Meyer, eine musikalische Lesung im Rahmen des BiblioWeekends oder ein Konzert mit Marius Tschirky.
Der vierte Aspekt ist der performative Raum. Hier werden Arbeiten, Forschung oder Kunst nicht nur präsentiert, sondern gemeinsam diskutiert und weitergedacht. Nach der Sommerpause zeigt die Bibliothek Werke der Dozentin Catherina Ziessler, die sich mit den Wechselwirkungen zwischen Natur und Kultur auseinandersetzen.
«Wissen wird erst dann lebendig, wenn es geteilt und diskutiert wird. Genau dafür möchten wir den passenden Raum schaffen.»
Synergien aktiv nutzen
Dass dieses Verständnis im Hochschulalltag funktioniert, zeigt sich auch an der PH Schwyz. Die Bibliothek ist nicht isolierter Lernort, sondern Teil eines vernetzten Campus. Durch die räumliche Nähe zum Flex-Raum und den Weiterbildungsangeboten entstehen Berührungspunkte ganz selbstverständlich. Wer einen Kurs besucht, nutzt häufig auch die Bibliothek. «Wo Weiterbildung und Bibliothek räumlich und inhaltlich zusammenwirken, entstehen Synergien, die Lernen nachhaltig bereichern», so die Leiterin der Bibliothek.
Darin spiegelt sich auch der Kern des Lehrberufs wider: Angehende und erfahrene Lehrpersonen brauchen heute weit mehr als Fachwissen. Sie müssen flexibel lernen, Gelerntes reflektieren, sich vernetzen und ihr Wissen in die Praxis übertragen. Eine Bibliothek, die dafür Räume schafft, ist deshalb weit mehr als ein Ort der Medienausleihe – sie ist ein Bildungsraum im eigentlichen Sinne.