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«Ein Praktikum ist wie ein Tinder-Date» – Wie Schulen passende Teams finden

Lehrpersonenmangel, geografische Lage, komplexe Strukturen: Vieles können Schulen nicht beeinflussen. Umso entscheidender ist, was sie aktiv gestalten. Wie gelingt Personalrekrutierung unter diesen Bedingungen? David Föhn, Schulleiter der Schulen Morschach und Stoos, zeigt, warum Führung, Teamkultur und flexible Lösungen den Unterschied machen.

Personalrekrutierung ist für Schulleitungen eine zentrale Führungsaufgabe. Besonders herausfordernd ist sie dort, wo Strukturen eng verzahnt sind – etwa in kleinen Schulen mit altersdurchmischten Klassen und komplexen Stundenplänen. «Wenn bei uns jemand das Pensum anpassen möchte oder ausfällt, hat das sofort Auswirkungen auf das ganze System», erklärt Föhn. Die organisatorischen Spielräume seien begrenzt: Fachkombinationen, Stufenmodelle und Teamkonstellationen müssten gleichzeitig berücksichtigt werden. 

Die Besonderheiten ländlicher Schulen können aber auch gezielt als Stärke genutzt werden: «Unsere Schule ist keine 08/15-Schule – und genau das zieht wiederum Bewerbende an.» Denn die enge Zusammenarbeit im Dorf oder unkonventionelle Unterrichtsformen, wie etwa Ski-Unterricht im Winter, schaffen Identität und erhöhen die Attraktivität als Arbeitsort. 

Auf der Suche nach dem perfekten Match  

Neben den fachlichen Qualifikationen wird ein Faktor entscheidend: Der Fit im Team. «Natürlich wünsche ich mir gut ausgebildete Lehrpersonen. Aber mindestens genauso wichtig ist, dass es menschlich stimmt», so der Schulleiter. 

Gerade in kleinen Teams sei die Zusammenarbeit zentral und damit auch die Frage, ob jemand zur bestehenden Kultur passt. Während grössere Schulen unterschiedliche Persönlichkeiten leichter integrieren könnten, sei man in kleineren stärker auf das Zwischenmenschliche angewiesen. Die Rekrutierung werde dadurch anspruchsvoller, aber auch gezielter. Gerade weil die Spielräume klein sind, wird Passung entscheidend.  

Ein wichtiges Instrument der Personalgewinnung sind die Praktika während der Ausbildung zur Lehrperson. Sie geben der Schulleitung die Möglichkeit, trotz begrenzter Auswahl bewusst zu entscheiden, denn: «Ein Vorstellungsgespräch reicht nicht, um jemanden wirklich kennenzulernen.» David Föhn beschreibt es so: «Ein Praktikum ist wie ein Tinder-Date: Beide Seiten finden heraus, ob es passt.» Viele Stellen konnten in der Vergangenheit erfolgreich mit ehemaligen Studierenden besetzt werden, die zuvor ein Praktikum an der Schule absolviert hatten.  

Rekrutierung endet nicht bei der Anstellung 

Der Schulleiter geht sogar noch einen Schritt weiter: «Personal zu finden ist das eine – es zu halten das andere.» Neben der Team-Kultur ist es für ihn zentral, auf die Bedürfnisse der Lehrpersonen einzugehen, sei es durch flexible Pensen, Sabbaticals, Unterstützung bei Weiterbildungen oder die Möglichkeit, eigene Projekte umzusetzen. Dazu gehören auch bewusst gepflegte, oft unkomplizierte Momente im Alltag, wie etwa ein spontaner Team-Event, der den Zusammenhalt stärkt. 

«Mein Job wäre viel langweiliger, wenn ich einfach nur Vorgaben umsetzen würde. Spannend wird es dort, wo wir gemeinsam Lösungen finden.»

David Föhn

Gleichzeitig gilt es, administrative Aufgaben so weit wie möglich zu reduzieren, damit sich das Team darauf konzentrieren kann, was im Zentrum steht: die Arbeit mit den Kindern. «Schlussendlich muss das Gesamtpaket stimmen. Und wenn das so ist, sind Lehrpersonen eher bereit, Kompromisse einzugehen – etwa zwei Lektionen weniger oder mehr zu unterrichten», ist Föhn überzeugt.  

Führung heisst: Spielräume nutzen 

Die Rekrutierung von Lehrpersonen ist längst mehr als das Besetzen offener Stellen. Mit Blick in die Zukunft rechnet Föhn mit steigendem Druck auf Schulen. Sie müssen ihre Rolle als attraktive Arbeitgeberinnen aktiv gestalten und ihre Spielräume bewusst nutzen. Das verlangt strategische Führung: 

  • Rahmenbedingungen gezielt entwickeln  

  • Teamkultur aktiv stärken  

  • individuelle Lösungen ermöglichen  

  • langfristig denken  

Gerade darin zeigt sich der Unterschied: «Mein Job wäre viel langweiliger, wenn ich einfach nur Vorgaben umsetzen würde. Spannend wird es dort, wo wir gemeinsam Lösungen finden.» 

Schlussendlich entscheiden nicht die Rahmenbedingungen allein über den Erfolg in der Personalrekrutierung, sondern wie Schulen mit ihnen umgehen. Gerade in einem Umfeld mit vielen nicht steuerbaren Faktoren wird professionelle Führung zum ausschlaggebenden Hebel. 

Wer sich vertieft mit Fragen der Schulführung auseinandersetzen und die eigene Rolle weiterentwickeln möchte, findet im CAS Schulleitung sowie im neuen Lehrgang DAS Profession Schulleitung der PH Schwyz in Kooperation mit der PH Zug passende Weiterbildungsformate. 

Über David Föhn
Nach seinem Studium in Geschichte und Politikwissenschaften und Einblicken in verschiedene Branchen, entschied sich David Föhn für den Bachelor an der PH, worauf er neun Jahre als Primarlehrer arbeitete. Der gebürtige Morschacher ist seit einem Jahr Schulleiter der Schulen Morschach und Stoos, wo rund 90 Schülerinnen und Schüler von 16 Lehrpersonen unterrichtet werden. Er absolviert derzeit den CAS Schulleitung an der PH Schwyz.