Ein Blick in die Vergangenheit aus der Sicht eines Dozenten
Eine neue Lehrer:innenbildung sei nötig, die den Anforderungen einer wissenschaftsortientierten Ausbildung auf Hochschulniveau genüge – so der Tenor von Bildungsexpertinnen und -experten ab Mitte der 70er Jahre. Die Widerstände waren vorprogrammiert und so dauerte es nochmals rund 20 Jahre, bis Mitte der 90er Jahre in der Zentralschweiz der politische Entscheid fiel, die Lehrer:innenbildung mit einer mit der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (PHZ) neu auszurichten. Drei Teilschulen, eine Gesamtorganisation – so das Konstrukt, das die sechs Zentralschweizer Regierungen im PHZ-Konkordat beschlossen und damit die Weiterführung des Bildungsraumes Zentralschweiz andachten und planten.
Nach einer Projektphase öffnete 2003 die Teilschule in Luzern - Zug und Schwyz folgten ein Jahr später. Die drei Teilschulen arbeiteten im Modus von «Kooperation in Konkurrenz». Diese Formel war ein schwieriges Terrain und barg einige Herausforderungen für alle Beteiligten. Nach sieben Jahren intensiver Zusammenarbeit beschloss 2010 der Kanton Luzern seinen künftigen Alleingang und trat 2013 aus dem Konkordat aus. In der Folge kamen die anderen Trägerkantone zum Schluss, dass eine Weiterführung ohne den grössten Kanton nicht sinnvoll sei und das Konkordat wurde im gleichen Jahr aufgelöst.
Für die Pädagogische Hochschule in Schwyz brach damit eine Zeit der Unsicherheit an. Wie sollte es weitergehen? Sollte die Teilschule auch den Alleingang wagen? Oder sollten die Schwyzer Studierenden zukünftig ausserhalb des Kantons ihre Ausbildung zur Lehrperson absolvieren? Eine eigene Lehrerinnen- und Lehrerbildung hat im Kanton Schwyz Tradition – bereits seit 1856 bildet er eigenständig Lehrpersonen aus. Sollte nach 150 Jahren diese Ära zu Ende sein? Der politische Entscheid fiel dann zugunsten einer eigenen Lehrer:innenbildung.
Damit begann eine intensive Aufbauphase, welche die Pädagogische Hochschule Schwyz als eigenständige Hochschule festigte und in der Bildungslandschaft der gesamten Schweiz ihren Platz gab. Die vier Leistungsbereiche Ausbildung, Weiterbildung, Forschung und Dienstleistung wurden, so wie es die Tertiarisierung vorsah, kraftvoll ausgebaut. Die Lehre in der Ausbildung musste auf eine wissenschaftsorientierte Fachdidaktik gehoben werden. Das war ein innovativer Akt, denn ausgerichtete Fachdidaktiken gab es bislang kaum und es fehlte wissenschaftliche Forschung für den helvetischen Kontext. So wurden in der Forschung verschiedene Schwerpunkte gesetzt, gefestigt und ausgebaut. Für uns Dozierende bedeutete dies, dass sich unsere Arbeitsfelder erweiterten. Es stand nicht mehr nur die Lehre im Zentrum, sondern wir konnten uns fortan auch in Forschungsprojekten oder in der Weiterbildung engagieren. Mit der Einführung des Lehrplans 21 erhöhte sich die Verbindung zur schulischen Praxis und wir Dozierenden konnten viele Erfahrungen sammeln. Die neue Lehrer:innenausbildung hatte von Beginn an den Primat der Praxisorientierung. Die fachdidaktische Ausbildung war in enger Verbindung mit der schulischen Praxis angelegt und es entstanden unter anderem viele neue Lehrmittelprojekte, welche die praxisorientierte Ausbildung weiter stärkten.
Und so besteht heute eine Hochschule, die floriert und mit bewährten und neuen Ausbildungsformaten die Zeichen der Zeit erkennt und umsetzt. Das neue Fernstudium ist nur ein Beispiel dafür.
Als ehemaliger Dozent, der 20 Jahre die Pädagogische Hochschule Schwyz erleben konnte, darf ich rückblickend auf eine dynamische, manchmal unsichere, aber immer perspektivische Zeit zurückblicken. Sie war nicht nur für die Bildungslandschaft äusserst innovativ, sondern ich konnte mich auch persönlich weiterentwickeln, neue Sichtweisen integrieren und letztlich meine Vision einer Lehrer:innenbildung aktiv mitgestalten.
Dr. Guido Estermann, ehemaliger Dozent