Projekte Fachdidaktik der Künste

Musikdidaktische Forschung: Klassengesang leiten

Das Lieder Singen ist eine kulturelle und rituelle Praxis, die zwischen den Generationen vermittelt wird. Sie führt junge Kinder in die Sprache, Musik, Tanz und in Geschichten ein, und als Kulturpraxis wirkt sie sozial integrativ. Wir erforschen die Fähigkeit, einer Gruppe von jungen Kindern Lieder zu vermitteln, sowohl als professionelle Tätigkeit wie auch deren Entstehung während der Berufsausbildung. Gemeinsam an der Pädagogischen Hochschule Schwyz (PHSZ) und der Haute Ecole de Pédagogique der Kantone Bern, Jura und Neuchâtel (HEP-BEJUNE) untersuchen wir die Fähigkeit, Klassengesang zu leiten. Wir definieren diese Kapazität als einen Komplex bestehend aus Fertigkeiten, Strategien und Wissen, welche sich grossenteils intuitiv, automatisiert und in-situ durch Handlungen des Zeichengebrauchs gegenüber Kindern manifestiert, und welche konventionellen Regeln und Normen folgt (Kinderliedgrammatik, Ästhetik). Wir erforschen zwei Ebenen der Didaktik des Klassengesangs: A) Die Ausführung erfahrener Lehrpersonen, und B) die Entwicklung der Fähigkeit während der Berufsausbildung. Beide Personengruppen filmen wir beim Erteilen einer Singlektion an eine Gruppe von vier- bis acht-Jährigen, und wir besprechen anschliessend gemeinsam die Aufnahme. Mit den Studierenden erfolgt dies drei Mal während ihrer Ausbildung als Längsschnittstudie. Das Ziel dieser beiden Teil-Studien ist es, die Fähigkeit, Klassengesang zu leiten, in der Vielfalt zu rekonstruieren, wie sie sich in der Expertise und in individuellen Lernwegen ermitteln lässt. Diese Forschung führen wir an zwei Pädagogischen Hochschulen in der lokalen Sprache durch – Schweizerdeutsch und Französisch. Keineswegs geht es um eine Evaluation oder um einen Vergleich von Studiengängen oder von Personen, sondern wir fokussieren die individuellen Ausführungen von Experten und die individuellen Entwicklungsverläufe Studierender während ihrer Ausbildung mit dem Ziel, das Phänomen konzeptuell zu rekonstruieren, um daraus theoretische Aussagen zu abstrahieren.

Projektleitung: Stefanie Stadler Elmer & François Joliat (HEP-BEJUNE)

Projektteam: Anna Hürlimann, Armin Wyrsch, N.N. & N.N.

Finanzierung: SNF Nr. 100019_179182 (2018 - 2021) und Qualifikationsstelle Fachdidaktik im Rahmen des TP2 swissuniversities

Vom Raum zur Fläche

Wie zeichnen Kinder Quader, und wie können sie dabei unterstützt werden?

Das zeichnerische Darstellen von räumlichen Eigenschaften ist herausfordernd, weil dabei drei auf zwei Dimensionen reduziert werden müssen. Das Herstellen einer wohlgeformten Lösung erfordert sowohl geistiges Abstraktionsvermögen (räumliches Denken), ästhetisches Urteil wie auch visuell-manuelle Fertigkeiten. Wir untersuchen die Frage, wie Kinder wiederholt Raumkörper zeichnen - z.B. ein Haus, eine Schachtel - und dabei räumliche Eigenschaften in der flächigen Darstellung zu integrieren lernen. Gleichzeitig untersuchen wir, wie eine Lehrperson die Kinder (n =19, Alter zw. 7;5 und 8;9 Jahren) während des zeichnerischen und manuellen Konstruierens von Quadern (2D und 3D) im Klassenverband, in Kleingruppen und im Einzelsetting fachdidaktisch unterstützt. Wir analysieren diese Vorgänge anhand von Videoaufnahmen, Zeichnungen und Gesprächen. Auf der Seite der Kinder rekonstruieren wir Strategien, Schwierigkeiten und emotionale Zustände (zum Beispiel Aha-Erlebnisse), auf der Seite der Lehrperson das Herstellen von Verständigung zum Beispiel durch Zeigen oder Vormachen und daraus hervorgehend Muster von Interaktionen zwischen Lehrperson und Kind. Auch analysieren wir, wie Erwachsene Schachteln zeichnen. Der Unterschied im Wissen und Können zwischen erwachsenen Studierenden und Kindern führt unter anderem zur fachdidaktischen Frage, was angehende und berufsausübende Lehrpersonen wissen sollten, um das kindliche Denken und Handeln in diesem Bereich besser verstehen und begleiten zu können.

Projektleitung: Lea Weniger

Betreuung: Prof. Dr. Dr. h.c. Stefanie Stadler Elmer

Finanzierung: Qualifikationsstelle Fachdidaktik im Rahmen des TP2 swissuniversities

Abgeschlossene Projekte Fachdidaktik der Künste

Musik im Kita-Alltag: Qualifizierung von Betreuungspersonen

Kleine Kinder interessieren sich für Laute und Klänge und finden so Zugang zu Musik und Sprache. Mit dem ganzen Körper nehmen sie Schallwellen wahr, spielen mit ihrer Stimme und bewegen sich zu Klängen und Lauten. Frühe musikalische Aktivitäten wirken präventiv und unterstützen das Sprechenlernen, das Regulieren von Emotionen, die Koordination von Bewegungen, die Orientierung in Raum und Zeit, den Aufbau von Vorstellungen und Erinnerungen und die kulturelle Integration. Um Kindern schon früh vielfältige Anregungen zu bieten, entwickelten wir ein Modell zur musikdidaktischen Qualitätsentwicklung in Kindertagesstätten. Die Kita-Mitarbeitenden werden in Workshops musikdidaktisch geschult und von einer Mentorin bei der Umsetzung im Alltag begleitet. Musikbezogene Spiele und Liedersingen mit Kindern werden als Lehr- und Lernprozesse videografiert und diskutiert. Die Ziele sind, sich persönlich und als Team musikdidaktisch weiterzubilden und die gemeinsame Musikkultur weiterzuentwickeln, um die Kinder im Alltag zu fördern. Zudem werden die Videofilme analysiert, aufbereitet und mit weiteren Dokumenten zur musikzentrierten Qualitätsentwicklung veröffentlicht.

Projektleitung: Prof. Dr. Dr. h.c. Stefanie Stadler Elmer

Mitarbeit: Armin Wyrsch, Isabella Steffen Meister, Lea Weniger, Anna Hürlimann

Finanzierung: Stiftung Mercator Schweiz, 05/2016 - 10/2017
www.stiftung-mercator.ch/de/projekte/musik-im-kita-alltag/

Internationales Projekt: Developing national music education systems: What are knowledge based strategies?

Immer wieder kürzen Regierungen und Politiker in vielen Ländern das Bildungsbudget. Musikpädagogik wird oft als Luxus missverstanden, der weggelassen werden kann. Als Forschende haben wir starke Argumente für die Notwendigkeit der Musikpädagogik in einer Gesellschaft. Sie sind jenseits oberflächlicher ökonomischer Berechnungen, betreffen aber langfristige Effekte auf affektiver und intellektueller Ebene. Wir sind überzeugt, dass die nationalen Bildungssysteme in unseren Ländern von der Anwendung von Forschungswissen profitieren können. Zentrale Fragen sind, wie Lehrerfortbildung und -programme effizient gestaltet werden können und wie die Qualität der Musikpädagogik auch in Zeiten knapper öffentlicher Haushalte sichergestellt werden kann.
Salvador, Brasilien, 15.-31. Januar, Konferenz an der Federal University of Bahia, 26.-27. Januar 2016.

Projektleitung: Prof. Dr. Dr. h.c. Stefanie Stadler Elmer

In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Mara Pinheiro Menezes, Prof. Dr. Alda, De Jesus Oliveira, & Prof. Dr. Zuraida Abud Bastiao, Federal University of Bahia, Brazil, & Prof. Dr. Jelena Davidova, Daugavpils University, Lettland

Finanziert durch das Brazilian Joint Research Programme (BSJRP), Leading House: EPFL

Gemeinsame Veröffentlichung: Davidova J. (ed.) (2016). Problems in Music Pedagogy, 15(2), 1-75.

Kontakt

Stefanie Stadler Elmer
Pädagogische Hochschule Schwyz
Zaystrasse 42
CH-6410 Goldau
T +41 41 859 05 75
stefanie.stadler @ phsz.ch